Wie fange ich überhaupt an? Der erste Schritt zur beruflichen Orientierung als sensible Frau

Du weißt, dass sich etwas verändern muss.

Du weißt, dass es so nicht weitergehen kann.

Aber wenn jemand dich fragt: Was willst du stattdessen? – dann kommt die Pause.

Und in dieser Pause steckt keine Faulheit, auch keine Undankbarkeit und auch nicht fehlender Mut. Sondern ganz einfach: die ehrliche Antwort, dass du es gerade nicht weißt.

Wenn du lange funktioniert hast – lange Erwartungen erfüllt, nach außen geschaut, was von dir erwartet wird – dann kann es passieren, dass du dich selbst dabei ein bisschen verloren hast. Und dann steht man da. Mit dem Wunsch nach Veränderung, aber ohne klaren Ausgangspunkt.

Dieser Blogartikel ist für genau diesen Moment.

Schau zuerst zurück – bevor du nach vorne schaust

Der erste Schritt in meiner Arbeit mit Frauen ist immer derselbe. Und er überrascht viele.

Ich frage nicht: Was willst du werden?

Ich frage: Was hast du bis jetzt gemacht?

Denn deine Vergangenheit ist kein leeres Blatt. Sie ist voller Hinweise. Voller Spuren, die zeigen, was dich bewegt, was dich antreibt und auch was dich auslaugt.

Also fangen wir genau dort an. Mit drei Fragen.

1. Was hast du bis jetzt gemacht?

Nimm dir mindestens 15 bis 20 Minuten Zeit und schreib alles auf, was du bist jetzt gemacht hast. Alles zählt. Jobs, Praktika, ehrenamtliche Tätigkeiten, Ausbildungen, Projekte und auch Hobbys. Auch die Umwege. Auch die Stationen, die sich damals falsch angefühlt haben. Denn manchmal steckt genau dort der wichtigste Hinweis.

Schreib es einfach auf. Ohne Bewertung. Ohne Filter.

2. Was hat dir daran gefallen?

Das ist die Frage, bei der viele Frauen zuerst stocken. Weil wir so trainiert sind, auf das Negative zu schauen. Auf das, was nicht gepasst hat.

Aber ich lade dich ein, heute einen Moment anders hinzuschauen.

Was hat dich morgens aufgeweckt mit dem Gedanken: Das mag ich. Das macht mir Freude. Das fühlt sich richtig an.

Vielleicht war es ein bestimmter Moment mit einem Menschen. Eine Aufgabe, bei der du vergessen hast, auf die Uhr zu schauen. Das Gefühl, wirklich gebraucht zu werden – auf eine Art, die sich nicht schwer, sondern erfüllend angefühlt hat.

Schreib das auf. Auch wenn es sich klein anfühlt. Gerade dann.

3. Was möchtest du gar nicht mehr?

Und jetzt die andere Seite.

Was hat dich wirklich zermürbt? Was hat dich morgens schon müde gemacht, bevor der Tag begonnen hat?

Hier darf es deutlich sein. Denn diese Liste ist genauso wertvoll wie die erste.

Zu wissen, was du nicht mehr willst, ist kein Ziel, sondern ein Anfang.

cup of tea beside a book
Photo by Paula Alionyte on Pexels.com

Das Ikigai – dein innerer Kompass

Wenn du die ersten drei Fragen beantwortet hast, kommen wir zum nächsten Schritt.

Dafür möchte ich dir ein Konzept vorstellen, das aus Japan kommt und das ich sehr gerne mit meinen Klient:innen mache: das Ikigai.

Ikigai bedeutet so viel wie: der Grund, warum du morgens aufstehst.

Es ist kein Karrieremodell. Es ist eine Lebensphilosophie. Und es basiert auf vier Fragen, die zusammen ein Bild ergeben, dein ganz persönliches Bild.

Was liebst du?

Nimm dir wieder mindestens 15 Minuten Zeit und schreibe dann auf. Was machst du gerne, ganz unabhängig davon, ob du dafür bezahlt wirst oder ob es anderen nützt? Was bringt deine Augen zum Leuchten? Was würdest du tun, wenn du kein Geld dafür bekommen würdest? Oder auch, wenn niemand zuschaut?

Denke in Ruhe darüber nach. Manchmal sind die Antworten, die dir am wenigsten wichtig erscheinen, die wichtigsten.

Worin bist du gut?

Das ist die Frage, die vielen sensiblen Frauen am schwersten fällt. Weil wir so geübt darin sind, uns selbst kleinzumachen und vieles, was wir tun, als selbstverständlich zu betrachten. Zu denken: Das kann doch jeder. Das ist doch nichts Besonderes.

Aber nein. Das kann nicht jeder.

Die Art, wie du auf Menschen eingehst, wie du zuhörst, wie du Zusammenhänge siehst, wie du Tiefe in Dinge bringst, das ist deine echte Stärke.

Wenn dir nichts einfällt, frag jemanden, dem du vertraust. Denn oft sehen andere unsere Stärken klarer als wir selbst.

Wofür könntest du bezahlt werden?

Überlege dir in Ruhe, womit du schon Geld verdient hast und wobei du dir vorstellen könntest, damit Geld zu verdienen. Was davon hat auch einen wirtschaftlichen Wert? Wofür wären Menschen bereit, etwas auszugeben, weil es ihnen wirklich etwas gibt?

Das ist keine Frage des Geldes allein. Es ist die Frage nach Nachhaltigkeit. Nach einem Weg, der nicht nur erfüllt, sondern auch trägt.

Was braucht die Welt?

Das klingt groß und sehr abstrakt. Aber ich meine es ganz konkret.

Denk darüber nach, was du dir mehr wünschen würdest auf der Welt. Was fehlt in deinem Umfeld? Wo siehst du Bedarf, bei Menschen, in deiner Gemeinschaft, in deinem Berufsfeld? Wo könntest du mit dem, was du liebst und kannst, wirklich etwas bewegen?

Wo alles zusammenkommt

Das Ikigai entsteht dort, wo diese vier Bereiche sich überschneiden.

Was du liebst und worin du gut bist, das ist deine Leidenschaft.
Was du liebst und was die Welt braucht, das ist deine Mission.
Was die Welt braucht und wofür du bezahlt werden kannst, das ist dein Beruf.
Was du kannst und wofür du bezahlt werden kannst, das ist deine Berufung im wirtschaftlichen Sinne.

Und in der Mitte, die Schnittmenge, wo alles zusammenkommt, das ist dein Ikigai. Dein Grund, morgens aufzustehen. Dein Sinn.

Die wenigsten finden das in einer Stunde. Und die meisten finden es nicht alleine.
Aber diese vier Fragen geben dir eine Richtung. Sie helfen dir, nicht mehr ins Leere zu schauen, sondern anzufangen, dein eigenes Bild zu zeichnen.

tranquil rural road in bad hersfeld germany
Photo by Arlind D on Pexels.com

Du musst nicht wissen, wohin du willst, um anzufangen

Wenn du heute nur eines mitnimmst, dann bitte dieses: Du musst nicht wissen, wohin du willst, um anzufangen.

Du musst nur bereit sein, dir selbst ein paar ehrliche Fragen zu stellen.

Was habe ich bis jetzt gemacht? Was hat mir daran gefallen? Was möchte ich nie wieder?

Das ist dein Anfang.

Und wenn du merkst, dass du diese Fragen nicht alleine beantworten kannst, oder wenn du spürst, dass du dabei Begleitung brauchst, dann findest du alle Informationen zu meinem 1:1 Mentoring auf meiner Website: www.silvia-wagner.at

Trau dich, hochsensibel zu sein. Die Welt braucht mehr davon.

Alles Liebe, deine Silvia


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Ich bin Silvia

Willkommen auf Frau Sensibelchens Blog. Ich bin Silvia Wagner, Mentorin für sensible Frauen und psychosoziale Beraterin. Auf meinem Blog nehme ich dich mit auf meine Reise vom hochsensiblen, schüchternen Mädchen zur Frau, die ihre Erfüllung im Berufsleben gefunden hat. Begleite mich durch meine Täler des Schmerzes, der Angst und der Selbstzweifel genauso, wie auf die Anhöhen des Glücks, der Freude und der Zuversicht.

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