Wenn du dir heimlich wünschst, krank zu sein, nur um nicht zur Arbeit zu müssen

Was dieser Gedanke wirklich bedeutet, und warum er kein Zeichen von Schwäche ist.

Da ich gerade mit einem ziemlich hartnäckigen Infekt im Bett liege und ich deswegen auch Probleme mit der Stimme habe, werde ich diesmal meine Gedanken nicht im Podcast, sondern nur in diesem Blogartikel teilen.

Und gerade jetzt sind mir wieder diese Gedanken eingefallen. Gedanken, die mich in meinem früheren Arbeitsleben sehr oft heimgesucht haben und die ich mir nie getraut hätte, auszusprechen.

Aber heute gestehe ich es dir ganz offen: Ich wünschte mir manchmal richtig, endlich mal krank zu werden, nur damit ich nicht wieder zur Arbeit muss.

Dieser stille Wunsch, der mich oft Abends überkam, beschämte mich zutiefst.

Kommt dir dieser Gedanke auch bekannt vor?

Dann möchte ich dich beruhigen. Denn du bist damit nicht allein. Und du bist deswegen auch nicht faul, nicht undankbar oder, wie wir sensiblen Frauen uns so gerne einreden, einfach „zu sensibel“.

Was dieser Gedanke dir sagen will?

Dieser Gedanke entsteht nicht, weil mit dir was nicht stimmt oder weil du unfähig bist, in einer „normalen“ Welt zu existieren, so dachte ich nämlich früher. Dafür verurteilte ich mich selbst sehr.

Aber dein Nervensystem lügt dich nicht an. Wenn du dir wünschst, krank zu sein, nur um einer Situation zu entkommen, ist das kein Ausdruck von Charakterschwäche. Es ist ein Signal. Ein sehr klares sogar.

Es bedeutet nämlich: Irgendetwas in deinem Berufsleben stimmt schon länger nicht mehr. Vielleicht ist es der Job selbst. Vielleicht die Umgebung. Vielleicht das Betriebsklima. Oder das Gefühl, dich jeden Tag ein bisschen mehr zu verbiegen, um zu funktionieren.

Gerade du als sensible Frau spürst solche Unstimmigkeiten oft tiefer und viel früher als andere es tun. Das ist kein Mangel, das ist eine Fähigkeit. Aber sie nützt dir nur dann etwas, wenn du auf sie hörst.

Und glaube mir, ich habe viele Jahre, ja Jahrzehnte tunlichst versucht, dieser Stimme und dieses Gefühl mit all meinen zur Verfügung stehenden Mitteln das Maul zu stopfen. Ich hab sie verdrängt. Mich verurteilt. Ich wollte es mit positiven Affirmationen übertönen. Ich dachte, ich muss mich halt damit abfinden, dass es für mich keine Arbeit gibt, wo ich das nicht fühle.

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Photo by Andrea Piacquadio on Pexels.com

Funktionieren und innerlich leer werden

Viele Frauen, die ich in meinem Mentoring begleite, beschreiben genau dieses Muster: Sie sind gut in ihrem Job. Sie sind zuverlässig, engagiert, manchmal sogar unverzichtbar. Aber innerlich wächst in ihnen leise ein Gefühl, das sie lange verdrängen: So wie bisher möchte ich nicht mehr weitermachen.

Sie haben jahrelang die Erwartungen ihrer Familie, ihrer Arbeitgeber, ihrer Kolleg:innen und ihrer sich selbst auferlegten Pflichten erfüllt, ausgehalten und sich angepasst. Oft wissen sie gar nicht mehr genau, ab wann dieses Unwohlsein, dieses innerliche Ziehen eigentlich begonnen hat.

In meinem Blogartikel über People Pleasing habe ich ausführlich beschrieben, wie genau das bei mir selbst ablief, als ich ein Praktikum annahm und zu allem Möglichen bereit war, nur um dazuzugehören.

Aber was war das Ergebnis? Hautprobleme, Erschöpfung und das Gefühl, mich selbst aus den Augen verloren zu haben. Ja, mich selbst sogar betrogen zu haben.

Vom Wissen, was du nicht mehr willst, zur Frage, was du stattdessen wirklich willst

Zu erkennen, was nicht mehr passt, ist ein wichtiger erster Schritt. Aber er ist eben nur der erste.

Die eigentliche Arbeit beginnt mit der Frage: Was will ich stattdessen wirklich?

Da wird es dann schon schwieriger. Das Wichtigste hierbei ist, dass du nicht glaubst, du musst komplett von vorne anfangen und komplett Tabula Rasa machen. Nein, im Gegenteil. Nicht nur, dass das gar nicht funktionieren würde. Denn das alles gehört zu dir und hat dich zu der Person gemacht, die du heute bist. Und es ist schon so viel da. Du hast auf deinem Lebensweg schon so vieles geleistet. Du hast viel bewältigt, viel ausgehalten, viel erschaffen, viel gestemmt, viel gelernt. Das ist ein unfassbarer Schatz.

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Photo by Hossam Rabea on Pexels.com

Diesen Schatz auszugraben und für dich sichtbar zu machen ist deshalb das Grundlegendste in meiner Arbeit. Und zugleich auch das zeitaufwendigste. Das Sichtbarmachen deiner Persönlichkeit, deiner Identität, deiner Motive, deiner Werte bilden aber eine unschätzbare Grundlage.

Als ich das erste Mal mit mir selbst in Kontakt gekommen bin und erkannt habe, welche Stärken ich eigentlich habe, welche Ressourcen ich im Laufe meines Lebens erworben habe, welche Glaubenssätze mich blockiert haben, welche Motive mich antreiben und welche Werte mein Leben bestimmen, war ich so überwältigt, dass ich weinen musste.

Denn niemals zuvor hatte ich auf einen Blick gesehen, was mich ausmacht. Es war so zutiefst bewegend für mich. Ich, die sich Zeit ihres Lebens für zu empfindlich, zu wertlos, zu unfähig, zu dumm, zu ängstlich, zu schüchtern und überhaupt zu unpassend für diese Welt hielt, erkannte plötzlich, dass all diese Makel gar keine waren. Sondern, dass sogar das Gegenteil der Fall war und mich sogar zu jemanden machten, der bei anderen Menschen etwas auslöste.

Diese Erkenntnis wirklich annehmen zu können, war am Anfang sehr schwer für mich und ich ertappte mich immer wieder dabei, dass ich in die alte Denkweise zurückfiel. Erst nachdem ich mit dieser neu gelernten Sichtweise auch neue Situationen neu bewerten konnte, gewöhnte sich mein Gehirn schön langsam an diese Bestätigung. Und nicht nur mein Gehirn, auch mein Körper lernte durch neue Erfahrungen die alten mit neuen positiven Markern zu überschreiben.

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Photo by MG Gallery on Pexels.com

Dein neues Selbstbild ist deine neue Freiheit

Und das veränderte mein gesamtes Leben.

Und wenn du dich selbst erstmal so richtig kennengelernt hast, dann solltest du dich der folgenden Frage widmen: Welche Arbeit passt denn überhaupt zu meinen Werten, meinen Stärken, meiner Persönlichkeit als sensible Frau?

Und damit startet ein neuer Prozess. Denn diese Frage zu beantworten braucht Zeit. Sie braucht ehrliche Selbstreflexion, den Mut, wirklich hinzuschauen und sich seiner eigenen Glaubenssätze, Ecken, Kanten und blinden Flecken zu stellen. Oft ist es dabei gut, jemanden dabei zu haben, der dich dabei begleitet, damit du deine eigenen Antworten auch wirklich hörst und lernst, sie zu akzeptieren.

Und dann beginnt für dich ein neuer Lebensabschnitt. Einer, in dem du dich nicht mehr verbiegen musst, um deine Bedürfnisse erfüllt zu bekommen. Sondern ein Leben, in dem du von innen heraus strahlen und wirken kannst. Und mit deinen wunderbaren Fähigkeiten kannst du zu einer besseren Welt beitragen.

Wenn du diesen Artikel liest und nickst, dann möchte ich dir sagen: Dieser Gedanke am Abend, der war kein Versagen. Er war der erste Moment, in dem ein Teil von dir ehrlich zu dir war.

Und das ist ein Anfang.

In meinem 1:1 Mentoring begleite ich sensible, ambitionierte Frauen dabei, genau das herauszufinden: Was du wirklich willst, welcher berufliche Weg wirklich zu dir passt, und wie du diesen Schritt mit Klarheit und Vertrauen in dich selbst gehen kannst.

Wenn du spürst, dass du beruflich feststeckst, findest du alle Infos zu meinem Mentoring auf meiner Website unter www.silvia-wagner.at.

Trau dich, hochsensibel zu sein. Die Welt braucht mehr davon.

Alles Liebe, Deine Silvia


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Ich bin Silvia

Willkommen auf Frau Sensibelchens Blog. Ich bin Silvia Wagner, Mentorin für sensible Frauen und psychosoziale Beraterin. Auf meinem Blog nehme ich dich mit auf meine Reise vom hochsensiblen, schüchternen Mädchen zur Frau, die ihre Erfüllung im Berufsleben gefunden hat. Begleite mich durch meine Täler des Schmerzes, der Angst und der Selbstzweifel genauso, wie auf die Anhöhen des Glücks, der Freude und der Zuversicht.

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